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monsoon hotel room window

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“Waterline”    Fieldrecording     01:00     Am besten mit Kopfhörern.

 

From my monsoon-notebooks (2 von 3)

Luftfeuchtigkeit am Tag fast 90 Prozent.
Plötzliche starke Regengüsse.

Ein Hotelzimmer.
Nr. 125, Meerblick.

Gestern stand ich am Ufer vor dem Hotel, wo ein schöner Wind weht, der einem den Kopf kühlt, und blickte aufs Meer. Der Handtuchmann kam zu mir. Er teilt immer am Pool die Handtücher an die Gäste aus. Er stellte sich neben mich, sagte „Hi“, und ich auch, und nun blickten wir beide aufs Meer.
„Very nice, this“, sagte er. „Yes“, sagte ich.

Wir sprachen zum ersten Mal miteinander. Ich stellte mir vor, gleich wird er fragen, where do you come from, und ich werde sagen, Germany, woraufhin er sagen wird, ah, Germany, nice country.

In Wirklichkeit standen wir nur so da, beide den Blick aufs Meer, schweigend – er seinen Stapel Handtücher haltend, ich meinen Regenschirm, den ich hier als Sonnenschutz nehme.

„You know“, fängt er auf einmal an, ich seh zu ihm hin, er lädt den Handtuchstapel auf den einen Arm, „there“, und schaut geradeaus, und ich tue’s ihm nach, “there, straight ahead is Europe,” und zeigt dann mit dem freien Arm nach rechts, wir beide wenden den Kopf, „and on the right side there is Arab Emirates, and on the left …”, wir beide wenden den Kopf, “… there is nothing, for a long time, just nothing, as far as Antarctica.”

 

© rb

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“Monsoon”    Soundscape    05:14    Hört sich mit Kopfhörern am besten an

 

From my monsoon-notebooks (3 of 3)

Luftfeuchtigkeit am Tag fast 90 Prozent.
Plötzliche starke Regengüsse.

Ein Hotelzimmer.
Nr. 125, Meerblick.

Hier bin ich seit über einem Monat und es gefällt mir ganz gut.
Es ist 4 Uhr am Nachmittag.
Ich schaue aus dem Fenster. Bin soeben zurück wieder aus der Schwüle der Straßen, aus den Geräuschkaskaden, die ich ja eigentlich ganz gern mag, aber doch ist dies Hotelzimmer meine Fluchtburg.

Ich habe die Klimaanlage ausgestellt. Sie brummt so laut und dann kann ich nichts anderes mehr hören, das macht mich nervös. Die Luft im Zimmer ist nun warm und feucht und der Atem geht schwer.

Eines Tages,
vielleicht, werd’ ich mich an diese Momente erinnern, wie ich hier am Fenster steh’, und werd’ denken,
ja, dort war ich, und es war eine der besten Zeiten in meinem Leben.
Nein!
Stopp. So weit ist es noch nicht.
Ich bin hier jetzt.
Jetzt!
erstmal bin ich hier.
In diesem Hotelzimmer,
Nr. 125, Meerblick.

Ein Feuchtigkeitsfilm überzieht die Holzflächen der Möbel, das Sideboard, die Schranktür. Auch die Bodendielen sind beschlagen und der schöne altenglische Sekretär. Ich male mit dem Finger auf die Schreibfläche das Wort ‚Monsoon’.

Dann wieder schaue ich aus dem Fenster.
Ich schaue den Wolken zu, wie sie eins werden mit dem Meer.
Ich denke einen Satz.
Ich denke:
Es regnet.