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Wir hatten Schnee, tatsächlich.

Stundenlang hat es wunderbar geschneit. Das war letzte Woche. Schnee ist hier so rar, ich hatte fast vergessen, wie Winter aussehen und sich anfühlen kann.

Ja, Thomas, ich arbeite immer noch gern mit deiner O. Dies Bild ist für dich, falls du mal hier im Blog vorbei kommst.

Ich habe Schneebilder gemacht, vom Fenster aus -denn eigentlich saß ich ja am Schreibtisch über meiner Januar-To-do-Liste-, und genoss es wahnsinnig, das Weiß und die Stille, ihr wisst schon. Und dann aber ging ein furchtbares Getöse los, und etwas schob sich in mein Blickfeld: Es war ein Nachbar mit seinem Blätterpuster, den er umfunktioniert hat zum Schneepflug. Na toll! Mann und Maschine preschten so schnell aus dem Nichts, als hätten sie, seit im Herbst das letzte Blatt aufgesaugt war, nur auf diesen Moment gewartet.

 Ich habe vor Schreck vergessen scharf zu stellen, aber ist ja auch besser so. Ende der Geschichte. Bin dann wieder an meine Liste gegangen.

 

Kleine Pause …

… überlegen, was wichtig ist …

… … … … …

Schönes Neues Jahr 2016

 

Ende der Saison, Dangast

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rooftops 02

 

… türkisfarbene Stimmung heut in der Stadt …

 

rooftops 07

 

… einer der besten Tage … luftig, leicht …

 

rooftops 08 with bridal mannequin

 

… Sie ist eine Schaufensterpuppe …

 

Dann ging ich zum Marktplatz und sah dies:

demolished building

 

Nichts Schlimmes. Es wird nur ein Haus abgerissen und später hier neu gebaut.  Sofort aber bei dem Anblick ging im Kopf bei mir der Link zur Erinnerung:
Andere Seite der Welt, Asien.
Eine Hauptstadt, eine Hauptstraße.
Vormittags.
Ich gerade angekommen, um dort zu arbeiten. Sause in der Motorrikscha durch die Gluthitze und sehe ein Gebäude, dem die Vorderfront fehlt, so wie dem hier, nur ein paar Stockwerke höher. Am Abend vorher war in dem Haus eine Bombe hochgegangen. Ich sah Möbel drin stehen. Es war ein Hotel. Ein Bett stand noch da, ein Schrank, ein …
Ich bat den Fahrer kurz anzuhalten, doch er sagte, no Missi, no good, better keep moving. Weiterfahrend, im Rückspiegel sah er mein entsetztes Gesicht und sagte in überzeugtem Tonfall:  Wenn gerade eben eine Bombe hochgegangen ist, haben wir erstmal wieder ein paar Tage Ruhe.

Ich, hier jetzt, in Europa, und Jahre später, wundere mich, wie sehr mir das Bild der Zerstörung bis heute nachgeht. Zerstörung inmitten von etwas vermeintlich Heilem. Ich bin ein Weichei. Ich könnte nie Krisengebietsreporterin sein.

Ich gehe zu den Obstständen auf dem Platz. Lege mit der Kamera auf ein paar Erdbeeren an. Mich trifft der Seitenblick der Marktfrau, die einen Kunden bedient. Ihr Blick, ich sehe ihn zwar nicht, aber fühle es, ist nicht freundlich. Ich muss noch eben scharf stellen. Gleich, denk ich, gleich hält sie die Hand vor ihre Erdbeeren und züngelt was von wegen ‘Hausrecht am Obststand’ oder so oder: ‘Meine Erdbeeren haben ein Recht auf ihr eigenes Bild’. Aber der Kunde will noch Bananen, ihr sind die Hände gebunden. Gleich ist es scharf, gleich hab ich’s. KLICK. Schön, Ihre Erdbeeren.
Nächstes Mal, wenn ich vorbei komme, bringe ich sie der Frau als Bild mit.

 

tasting sumer

 

… Sommer schmecken …

 

hard work for newcomers

 

Alles andere als eine alltägliche Beobachtung.

Ich glaube, ich habe sonst noch nie so genau hingeguckt, was sich im Blumenkasten auf dem Balkon überhaupt tut. Ich staune wirklich, was da die kleinsten Neuen schon so alles stemmen müssen. Kein leichter Start. Mal sehen, was draus wird. –

Ja, ja, die Entfremdung der Stadtmenschen …
Happy Gardening.

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