balkon ueber meer

© rb

Ich verreise nie ohne meine Ohr-Mikrofone.
Die sehen aus wie diese kleinen iPod-Ohrstöpsel. Ohrmikrofone schaffen einen besonders räumlichen Klangeffekt, der sich bei Anhören mit Kopfhörern so richtig entfaltet. Weil die Mikros so klein und unauffällig sind, und mein Reiserekorder ebenso, mache ich auf Reisen auch ständig Tonaufnahmen, schon beim Frühstück. Für den Menschen, der mit mir reist, kann das zur Geduldsprobe werden, weil er nie weiß, ob er etwas sagen darf oder damit die Aufnahme zerstört. Und ich meinerseits mag nicht sagen, dass ich sowieso die ganze Zeit aufnehme und quasi jedes Wort die Aufnahme zerstören kann.
Mein Freund fragt schon immer, und gibt sich große Mühe nicht pampig zu klingen: „Nimmst du grad auf?“ Und ich sage: „Nein, nein, im Moment nicht“, damit er sich nicht unwohl fühlt, und hoffe, bitte, bitte, dass nicht jetzt gerade ein sensationell guter Ton von irgendwo kommt und ich dann doch wieder „Pssst“ zischen muss. Es ist grässlich, wenn ich später beim Abhören der Aufnahmen mich selber „Pssst“ zischen höre, furchtbar, das bin dann gar nicht ich. Dabei denke ich doch immer, ich bin ein so freundlicher Mensch …

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Wie gesagt, das bin nicht wirklich ich.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Ich habe angefangen Umweltklänge so richtig bewusst zu hören und aufzunehmen seit meinen ersten Radiobeiträgen. Und im Studio die Aufnahmen dann zu bearbeiten, das habe ich schon immer unglaublich genossen, obwohl ich das Technische am Anfang noch nicht selbst gemacht habe. Ganz besonders waren es Stadtklänge, die mich faszinierten, und sie sind es noch. Wenn ich überlege, warum eigentlich, kann ich nur sagen, ich vermute, weil ich in Städten am intensivsten ‚Raum’ höre und diese ‚natürliche’ Collage aus überlagerten Tönen und wie die Geräuschwellen an- und abschwellen, all das. Ja, ich glaube, dass es das ist.
Oder auch nur eine belebte Straße entlang zu gehen. Allein das Vorüberwischen von Stimmen, das ist Musik für mich. Geräuschatmosphären in Straßen können ja tatsächlich sehr musikalisch klingen. Die Stimmen mit ihren verschiedenen Tonhöhen, manche sind nah am Ohr und schnell wieder weg, andere entfernt und doch hört man ganz deutlich einen ganzen Satz. Und auch die Klangunterschiede, je nachdem ob die Straße breit ist oder eng, die Häuser hoch oder niedrig, ob Sommer ist oder Winter, mich fasziniert das alles ungemein.
Die Alltagsgeräusche nehme ich auch als Ausgangsmaterial für Klangarbeiten. Oft verfremde ich sie elektronisch und verbinde mehrere Lagen von Geräuschen.