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nightshift with storm

On that special Friday in October I got the Ohrwurm.
That’s an ear microphone pair.

I’ve had the OKM Soundman binaural microphone for ages and I want to keep it that way. I’ve realized so many radio projects with it. I took it on long working trips to the tropics. It made great quality recordings, despite extreme humidity, heat and cold. I climbed pyramids with it and descended a gold mine. And the sound engineers were always taken with its performance. In the world of technical gadgets, my OKM soundman may be offended at the moment – if I’m as great as you say, why then the new one? – It may take revenge on the next recordings, who knows, with small failures to make me realize what I have in him. But the Ohrwurm 3D is not a rival. It gets its own job, that will become apparent over time. Both microphones have their special characteristics and qualities.  I can now vary according to the application.

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Stormy     03:08, mp3    For headphone listening

Hurricane gusts were predicted for that Friday, the strongest gusts would come after midnight, they said.

I sat at the computer while it raged outside. I had the Ohrwurm ready. Shooting storm from the window, is not the ideal presentation for ear microphones, not at all, it just doesn’t do them justice. Therefore, this is not meant to be a technical recording presentation. It is just nice to listen to. 

Recorded with Ohrwurm 3D and the ZOOM H 5 Recorder.

The Ohrwurm is microphone that you don’t hang  in  your ear cup like the OKM Soundman, but  on  your ear. For more Information please take this path to Wolfgang Winne. He developed the Ohrwurm-microphones and each one is handmade.

 

Chaos + Arbeitshemmung

Montag
Mir fällt absolut nichts mehr ein. Ich muss ein Manuskript schreiben, aber im Kopf steht der Betrieb still. Dabei ist das Arbeitsumfeld perfekt, die Aussicht auf den Fluss, der blaue Himmel. Alles wunderbar – ja, so lange ich nur geradeaus auf den Fluss schaue. Aber links, im Augenwinkel, da lehnt am Regal ein Papierberg, ein Meter hoch. Und rechts hinter mir lauert ein zweiter Berg, gestützt von einem dritten. Ich kann nicht denken bei all dem Papier. Ich hab versucht, die Berge abzutragen, bündelweise in den Müllsack. Doch sowie ich Hand anlege, bläht sich mein innerer Airbag schützend vor dem Papier auf und flötet: „Mach bloß keinen Quatsch, hinterher brauchst du was davon, guck lieber noch mal nach, ob da was Bedeutendes drin ist!“ Und das mache ich dann. Blatt für Blatt. Beim 20sten Blatt bin ich erschöpft und frustriert, weil der Berg nicht kleiner wird, und höre auf.

Dienstag
Ich stelle mir oft vor, mein Zimmer wäre LEER. Und kein Papier mehr. Nur der Tisch, der Computer und der Stuhl, und vor mir der Fluss. Ich spiele mit der Idee, die Berge erstmal im Nebenraum zwischen zu lagern, dann wäre ich ruckzuck fertig und könnte die Leere schon mal optisch ausprobieren. Also wirklich, ich muss schon sagen, sagt die Vernunft. Na gut, dann eben nicht. Nehm’ ich mir jetzt den linken Berg noch mal vor. Ich fange oben an. Arbeitslehre in China, ein Aufsatz, komisch, ist gar nicht mein Gebiet. – Weg, Müllsack. Countdown für die Kometensonde Rosetta! Was will ich denn damit? Nach einer Stunde ist der Berg gerade mal lächerliche zehn Zentimeter geschrumpft, weil ich doch wieder Blatt für  …, puh, Himmel! Ich werde noch verrückt davon. Dabei hab ich das doch schon mal geschafft, alles bündelweise wegzuwerfen. Ja, das war, als ich Hals über Kopf für ein Jahr nach Indien wollte, da hab ich die ganze Wohnung leer gekriegt, mit Warpantrieb. Und so was brauche ich jetzt auch, ein Ereignis, das mich in radikale Leermachwut versetzt.

 

Mittwoch
Schreiben geht noch immer nicht. Meine Firma im Kopf wird bestreikt, von Führung und Gefolgschaft. Ich seh’ mich aufs Podium steigen und die Betriebsversammlung eröffnen: „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebes Management, wir müssen die Basis neu ordnen“, ich senke zum Nachdruck die Stimme, „bis jetzt war das nur ein halbherziger Versuch. Es ist Selbstbetrug, die Kometensonde Rosetta zu entsorgen und Arbeitslehre in China, und zu glauben, dann wär’ die Missbalance zwischen Chaos und Ordnung aus der Welt. Augenwischerei ist das, weil uns Rosetta egal ist und chinesische Arbeitslehre ebenso. Wir müssen an das heran, wo’s uns wehtut. An den Berg eigenhändig beschriebener Blätter zum Beispiel, auch schon ewig nicht angeguckt. Dem Lebewohl zu sagen ohne ein Zögern, ob da ein Gedanke drin ist, der für immer weg sein könnte – das hieße wahre Befreiung“. Meine Bereichsleiterinnen nicken. Aber das bilde ich mir nur ein, denn sie sind ja nicht da. Sie streiken ja.

Donnerstag
Gerade will ich’s wieder mit Schreiben probieren, da stimmt was nicht mit dem Computer. Er reagiert nicht. Zeigt mir respektlos seine Sanduhr. Ich fahre die Maus hin und her, ziehe Kreise mit der Sanduhr, klicke links, rechts, oben, unten, nichts. Ich rufe Bernbach an, den Computermann. Er kommt vorbei.

Sieht nach Totalschaden aus, ranzt er mich an. Kenn ich schon, diese Tour von ihm. Er ist Sadist. Ich glaub’, er hasst alle User. Viel zu sensibel, die Technik, für so Deppen wie uns. Das ist bestimmt, was er denkt. Er baut die Platte aus. Muss er mitnehmen, sagt er, auch die Konsole, alles.
Und meine Daten, frag’ ich.
Weg, was nicht gespeichert war!
Pfff, das weiß ich auch selbst. Ich meine das andere, sag ich zu ihm, das, was gespeichert war, und ob er es retten kann.
Mal sehen, brummt er, hätte ich halt Backup gemacht …
Hab ich ja – zuletzt vorigen Monat. Den Zusatz sag’ ich nicht laut.
Er zieht ab. Ich trete ans Fenster. Da geht er, die Blechkiste unterm Arm und in der Sakkotasche die Festplatte mit meinem geistigen Kapital, lädt die Kiste in den roten Polo und saust davon. Wo mein Computer stand, klafft eine hämische Lücke. Ich weiß nicht, was ich jetzt arbeiten soll. Ich seh’ mich im Film. Jemand sagt: Sie sind suspendiert, Burbach, her mit der Dienstmarke.

 

Freitag
Ich hänge über dem Schreibtisch vor dem schwarzen Bildschirm. Ohne Computer kann ich nicht arbeiten. Stattdessen male ich mir als düsteres Szenario aus, dass alles, was ich je in den Computer hineingearbeitet habe, der noch bis gestern neben mir in der Lücke stand, weg ist, für immer. Ganz schön viel wäre weg. Obwohl, viel oder wenig ist natürlich Ansichtssache. Vermutlich würde alles, was ich je gemacht habe, mit etwas Datenkomprimierung auf eine 500er Platte passen. 500 Gigabyte, mein halbes Arbeitsleben. Bei der Vorstellung, nichts wäre mehr da, wird mir etwas mulmig.

Doch dann aber, im nächsten Moment, als links der Berg mich wieder anspringt, da fühlt sich der Gedanke, dass alles wär’ weg, plötzlich sogar befreiend an. Wenn ich das Wichtigste nicht mehr hätte, brauchte ich auch das Zweit- und Drittwichtigste nicht, zum Beispiel, was hier in den Bergen schmort. Ein gutes Gefühl ist das, ein sehr gutes. Das ist die Schubkraft zum radikalen Leermachen! Sie schwingt mich auf in die höhere Drehzahl. Jetzt bloß kein Zaudern. Gleich flieg’ ich! Ich hab auch wieder die Betriebsversammlung vor Augen. Meine Geist-Firma formiert sich, die ganze Bande kehrt zurück. Will bessere Arbeitsbedingungen, mehr Ordnung, Struktur. Versprochen, sag ich. Und hin und wieder mal frei. Auch das, sag’ ich. Nur bitte erst noch die Ärmel hoch für die neue Basis, die LEERE. Ich gebe uns eine halbe Stunde. Weg. Weg. Weg. Weg. Beidhändig und ganz schnell. Zwei Berge, ein Müllsack und zugeschnürt, der ganze Kleinkram auch. Weg.

Samstag
Bernbach kommt mit dem Computer. Nichts mehr zu retten, Platte kaputt. Hätten Sie halt … Hab ich ja, wie gesagt, vorigen Monat. Also nur drei Wochen Arbeit weg. Bernbach baut die neue Platte ein, lädt die Software, guckt sich um, ist ja so leer hier, sagt er. Als er gegangen ist, nehm’ ich mir Berg Nr. 3 vor, den letzten. Beim unteren Drittel denk ich, nee, das geht jetzt so nicht. Das geht nur bis hier und nicht weiter, aus dem einfachen Grund, weil ich jetzt froh bin, dass er da ist. Ein kleiner Berg in einem fast leeren Raum, das ist in Ordnung, der soll bleiben. Muss – bleiben. ***

© rb Alle Rechte bei der Autorin

 Es ist mir sehr wichtig zu erwähnen, dass Herr Bernbach eine fiktive Person ist, damit nicht jemand auf die Idee kommt, ich hätte vielleicht Charakteranleihen bei meinem jetzigen ‚Com-Doc’ gemacht. Nicht im Entferntesten.

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