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flugzeug fenster 02

© rb


Kaum sitze ich im Flugzeug, bin ich so beschäftigt, dass ich gar nicht weiß, was ich zuerst tun soll. Der Grund ist die Entscheidung, wie ich meine Reise, beginnend mit diesen wunderbaren Minuten vor dem Start, die ich so mag, am besten festhalte. Text, Bild oder Ton? Drei Dinge zur Wahl, das kann doch nicht so schwer sein! Ja, das heißt nein, aber es sind eben nur diese wenigen, wenn auch sehr besonderen Minuten, wenn das Geraschel sich senkt und das Gebrabbel und …, ja, ich will sie gebührend würdigen, das ist alles. Der ultimative Satz, Bildausschnitt, Panorama-Ton, da darf nichts schiefgehen. Es wären nur drei Handhabungen zu koordinieren, sage ich mir, und mit ein bisschen innerer Ruhe brauchtest du überhaupt nicht auszuwählen, du könntest locker alle drei Dinge hinbekommen.
Also gut, was denn jetzt zuerst?
Wo ist mein Notizbuch? Ach ja, da ist es, ich dacht’ schon, es wär’ untern Sitz gerutscht. Wenn ich nicht sofort mitschreibe, was mir im Kopf herumgeht, dann … Und ich muss unbedingt die Stewardess aufnehmen, wie sie das Reiseziel nennt. Rekorder ist startklar, Mikro auch. Wieso ist es plötzlich so dunkel, regnet es etwa? Was soll denn das für ein Foto werden, wenn es so dunkel ist. Und wann kommt endlich die Stewardess, es ist nicht gut für den Rekorder, so lange im Standby zu stehen. Und was wollt’ ich noch grad schreiben?  …
Und dann
geht wieder alles viel zu schnell. „Willkommen auf dem Flug nach …“ Ich löse die Standby-Taste des Rekorders zu spät, mein Reiseziel ist nicht mit drauf. Was ich schreiben wollte, ist futsch, ich weiß, es fällt mir nicht mehr ein, nicht solange das Flugzeug noch am Boden steht. Und darum geht’s mir ja schließlich, um die Minuten vor dem Start.

Und jetzt? Jetzt heben wir ab! Und als ich noch schnell die Kamera aufs Fenster anlege, Regen oder nicht, um die Schräglage einzufangen, ist alles schwarz und der Objektivdeckel noch drauf. Aber ich hatte ihn doch … Na ja, jetzt brauch’ ich sowieso meine zwei Hände, um mich am Sitz festzuhalten.

 

mosquito net with hat

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Zwei Tage in einem neuen Land wiegen dreißig am gewohnten Ort auf, durch Abnutzung verkürzt, durch Gewohnheit verschlissen. Die Gewohnheit poliert die Zeit, man gleitet darüber hin wie über ein zu glatt gewachstes Parkett“.

Zitat
Eugène Ionesco

 

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“Monsoon”    Soundscape    05:14    Hört sich mit Kopfhörern am besten an

 

From my monsoon-notebooks (3 of 3)

Luftfeuchtigkeit am Tag fast 90 Prozent.
Plötzliche starke Regengüsse.

Ein Hotelzimmer.
Nr. 125, Meerblick.

Hier bin ich seit über einem Monat und es gefällt mir ganz gut.
Es ist 4 Uhr am Nachmittag.
Ich schaue aus dem Fenster. Bin soeben zurück wieder aus der Schwüle der Straßen, aus den Geräuschkaskaden, die ich ja eigentlich ganz gern mag, aber doch ist dies Hotelzimmer meine Fluchtburg.

Ich habe die Klimaanlage ausgestellt. Sie brummt so laut und dann kann ich nichts anderes mehr hören, das macht mich nervös. Die Luft im Zimmer ist nun warm und feucht und der Atem geht schwer.

Eines Tages,
vielleicht, werd’ ich mich an diese Momente erinnern, wie ich hier am Fenster steh’, und werd’ denken,
ja, dort war ich, und es war eine der besten Zeiten in meinem Leben.
Nein!
Stopp. So weit ist es noch nicht.
Ich bin hier jetzt.
Jetzt!
erstmal bin ich hier.
In diesem Hotelzimmer,
Nr. 125, Meerblick.

Ein Feuchtigkeitsfilm überzieht die Holzflächen der Möbel, das Sideboard, die Schranktür. Auch die Bodendielen sind beschlagen und der schöne altenglische Sekretär. Ich male mit dem Finger auf die Schreibfläche das Wort ‚Monsoon’.

Dann wieder schaue ich aus dem Fenster.
Ich schaue den Wolken zu, wie sie eins werden mit dem Meer.
Ich denke einen Satz.
Ich denke:
Es regnet.